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Gießener Zeitung, 10.10.2014



Bericht aus "Die Welt" Kunstkauf ist die beste Künstlerförderung :

"...Nur wenige Häuser weiter hat Lars Kiener seine Galerie Kunst am Wall. Er hat Lithos von Günter Grass und Armin Müller-Stahl, Radierungen von Willibrord Haas, Collagen von Thomas Hamann und Grafik von James Rizzi und Mel Ramos, Papierarbeiten von Günther Uecker und vieles mehr, auch Multiples von Loriot und Elvira Bach. Die Galerie besteht seit 1997. Begonnen hat alles in der nahen Bilder- und Spiegelrahmung Kehr. "Ich war da angestellt und fragte Kunden, woher sie Grafiken haben, die wir rahmen sollten. Nicht eine war in Bremen gekauft. Da beschloß ich: das soll sich ändern. Und eröffnete die Galerie, arbeite noch mit Kehr zusammen. Daher auch der Schwerpunkt Papierarbeiten, besonders Grafik. Ich habe auch Unikate, beispielsweise von Michael Kupfermann, den ich seit Anbeginn vertrete. Ich sehe mich als Mittler zwischen Künstler und Kunde und möchte, daß die Profis keine Konkurrenz von Hobbyisten bekommen." Die Kunden der Galerie kommen vorwiegend aus dem Bremer Umland."

Artikel erschienen am Sa, 25. Februar 2006

 



Leidenschaftlich, gefühlvoll

Ottersberger Künstler Michael Kupfermann erzählt malerische Geschichten

Stellen wir uns vor, und das dürfte uns dieser Tage doch nicht so sehr schwer fallen, stellen wir uns also vor, es wäre Weihnachten im Jahre des Herrn 1843, also 154 Jahre her gewissermaßen genau. Und wir hätten, wie dieser Captain Horatio John Gray in unser Tagebüchlein zu notieren, wir kreuzten vor einem starken Nord-Ost, hätten selbst versucht,einige Messungen vorzunehmen, um unseren Standort genauer zu bestimmen. Allein die Witterung aber ließe keine Peilung zuund auch der Sextant, ja verdammt, dieser Sextant, wäre nicht anzuwenden. Stellen wir uns das vor, sind wir schon mittendrin in dieser phantastischen Geschichte des Captain Horatio John Gray die der Ottersberger Künstler Michael Kupfermann erdacht, erlebt, erfühlt, gemalt, gezeichnet, getextet hat (mit Verlaub: und wie er das gemacht hat). Und die er uns, diesen geneigten Lesern, nun auch als Buch zur Verfügung stellt, welches "Von Walen und Menschen" betitelt ist und in den Buchhandlungen des Ortes erhältlich, so daß wir uns nicht zu fürchten brauchen, um die Länge der bevorstehenden Feiertage und eine gewisse Öde, die auftreten kann, wenn die Gans verdaut und die Verwandtschaft wieder auf den rutschigen Straßen ist.

Doch, allein von diesem Captain Horatio John Gray soll an dieser Stelle hier nicht die Rede sein. Auch wenn uns seine Geschichte, die so unglaublich ist, daß sie schon fast wieder wahr zu sein scheint, auf einem Walfänger durch die Polarmeere führt, ungefähr in der Zeit von 1840 bis 1870, also 157 beziehungsweise 127 Jahre zurück gewissermaßen genau. Und diese Geschichte, die Geschichte eines Mannes erzählt, der wie selbstverständlich seinem Beruf nachgeht, bis er eines Winters auf einem der Polarmeere im Eise festzuliegen kommt, und entdeckt, daß die Wale eigentlich ja was, aber auf jeden Fall viel zu schade sind, um geschlachtet und in Tran und andere Köstlichkeiten verwandelt zu werden.

Vielmehr lenken wir das Interesse des geneigten Lesers von dem Captain Horatio John Gray auf eben jenen Michael Kupfermann, der 1954 in Schleswig-Holstein das Licht der Welt erblickt, an einem eher kalten Februartag, nicht eben noch Wassermann, aber auch noch nicht Fisch. Und wir erleben, wie dieser bald schon hochgewachsene blonde und braunäugige Junge in Kiel und in Rendsburg seine ersten Schritte tut, zur Schule geht, Keime gelegt werden, die heute noch aufgehen, die Schulen wechselt, vom Traumhaften in die Welt tritt, wie der Teufel Rockmusik macht (und auch die Haare werden, wie sich`s gehört in jenen Tagen, immer länger). Wie er das Wasser als eine seiner großen Leidenschaften entdeckt, das Segelboot.Und wie er die Feststellung trifft, Künstler zu werden. Aber das war eigentlich immer schon klar. Dann sehen wir ihn eine Lehre in einer Kieler Lichtbilderwerkstätte absolvieren, wir sehen ihn große Menschen ablichten, wie beispielsweise den Vater der Pantomime, den Pariser Marcel Marceau (wir selbst hängen uns in eben jenen Jahren immer auch einen dieser Pantomimenkalender ins Eßzimmerchen), wir lassen ihn Kunst studieren (zunächst in Kiel, später, nach selbständiger Tätigkeit auch in der Grafik und Werbung, an der Freien Kunststudienstätte in Ottersberg). Längst hat er seine Musik entdeckt, Procul Harum,Bach, nur so zum Beispiel, wir sehen ihn reisen (mit dem Pickelchen im Gepäck, wegen seiner Leidenschalt Mineralien), wir erleben ihn, wie selbstverständlich sich in der Theaterwelt bewegen, in der Kunst-oder auch Literaturszene. Mach doch da ein Buch drauß, hat dann ein Freund (und Agent) dieses Ottersberger Künstlers Michael Kupfermann gesagt, als er die etwa 30 Arbeiten sah - gemalt, gezeichnet und in Textfragmenten aufalten Seekarten gefaßt. Und wie es sich so ergab, es wurde ein Buch daraus. Aber davon allein, wie gesagt, soll an dieser Stelle hier nicht nur die Rede sein.

Wir sehen Bilder, Zeichnungen, Graphiken von Michael Kupfermann in Mailand, Berlin, in Belgien und den Niederlanden - nur so zum Beispiel. Wir stöbern und finden zahlreiche Buchillustrationen von ihm (in Segelschiffbänden, seine Leidenschaft! ). Wir sehen ihn hin und wieder mal auf den verschiedensten Brücken stehen (aber erst sehr viel später neben diesem legendären und schon erwähnten Captain Horatio John Gray). Michael Kupfermann malt, radiert, probiert immer wieder Neues (seine Leidenschaft!) bekommt Preise für seine Arbeiten (etwa den "Surreale Landschaften" des Landes Schleswig-Holstein oder den Kunstpreis "Radierungen" des Landes Rheinland-Pfalz), arbeitet nach einem USA-Aufenthalt an dem Zyklus "Mythologie der nordamerikanischen Indianer", der später als Kalender erscheint.

14 farbige Kunstdruckkarten entstehen im Rahmen der Weserkulturwochen zu Sagen und Märchen des Weserberglandes und wir hören Michael Kupfermann sagen, irgendwie verstehe ich mich auch ein bißchen als Romantiker.Der gerne die Beatles hört. Und so entstehen, fast zwangsläufig, sechs Radierungen nach dem 15. Todestag von John Lennon, wie alles ein wenig surreal, ein wenig informell, wie alle seine Arbeiter leidenschaftlich, gefühlvoll. Stell dir vor, es gibt keinen Himmel, heißt dann die graphische Kupfermann-Ausstattung zu einer Fernsehdokumentation der ARD Keinen Himmel? Wir wissen, daß Kupfermann darüber anders denkt. Schon sehen wir ihn wieder auf der Brücke. Neben diesem Captain Horatio John Gray. Und wir erleben, wie er zum Urspung zurück will (seine Leidenschaft!), wie er zu spielen und zu experimentieren beginnt wie er Werte transportiert in die heutige fast wertelose Welt, wie er eben jenem Captain Leonardo da Vinci begegnet - sein nächstes Projekt. Und das wird, fast hätten wir`s vergessen im Trubel dieser Weihnacht im Jahre des Herrn 1997, auch wieder ein bißchen verträumt und verspielt sein. Und Ehrenwort, schön. Auf alle Fälle.

Felmy, 1997


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